Rückblick 2017

Artlake Festival 2017

Zum dritten Mal eröffneten wir am wunderschönen Bergheider See über vier Tage einen liebevoll gestalteten Raum für progressive Gesellschaftsutopien, Kunst und kreativen Austausch sowie für diverse Spielarten der Musik. Dabei diskutierten, lauschten, agierten, genossen und tanzten in diesem Jahr mit uns über 6000 Mitstreiter_innen.

Das Artlake Festival verbindet Kunst, Diskurs und Musik auf über zehn verschiedenen Bühnen, Floors und Rückzugsorten. Neben dem vielschichtigen Musikprogramm, anregenden Ausstellungen und Performances, ausgewählten Workshops sowie Vorträgen ist es vor allem die visuelle Gestaltung jeder dieser Orte, die das Festival zu einer ganz besonderen Art von Freiraum werden lassen.

Das Artlake verbindet aber nicht nur Kunst und Musik sondern auch Menschen – das breite Spektrum an Diskursformaten und Workshops gaben die Möglichkeit, sich in kleiner oder großer Runde einzubringen, seine Ideen mit anderen zu teilen und Gleichgesinnte zu finden. So gab es zwischen Dünen und Wäldern am Bergheider See einiges zu erleben

Austellungen

Die verlassene Baracke verwandelte sich in eine temporäre Kunstgalerie, in der drei verschiedene Einzelausstellungen von Fotografie über Illustration bis hin zu audiovisueller Installation präsentiert wurden.

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Mit “I just want to be home” zeigte Robin Hinsch in einer tiefgehenden Foto-Serie das Leben tausender Geflohener, die in inoffiziellen Camps in Belgrad auf die Weiterreise in ein sicheres Europa hoffen.

Anna Benarrosh, eine französisch-marokkanische Grafikdesignerin präsentierte traditionelle arabische Muster, gepaart mit starken weiblichen Figuren und body-positivem Inhalt.

Eine begehbare audsolid-state-still_2iovisuelle Installation, gestaltet von Alexander Schubert und präsentiert vom MANYFIELD, versetzte die Besucher durch bis zur Überforderung getaktete Stroboskopblitze in einen simulierten Rauschzustand.

 

2017_08_20_blackwork__pdb5283Performances

Die Darstellenden Künste präsentierten sich in diesem Jahren in verschiedensten Facetten und Formaten. Den Auftakt machte die Künstlerin Marie Golüke: In ihrer Performance SHAME hinterfragte sie Scham als wesentliches Kriterium unserer Moralvorstellungen und setzte sich mit den Auswirkungen von Fremd- und Selbstzwängen auseinander. Die während des gesamten Festivals zugängliche immersive Performance Installation YOUR HOME IS WHERE YOU’RE HAPPY/RETURNING HOME lud das Publikum in die Realität einer streng hierarchischen Kommune ein,  um Mechanismen des Machtmissbrauchs und des Bedürfnisses nach Zugehörigkeit zu reflektieren.

Resistance for Freedom, eine Oriental Modern Dance Performance der libanesischen Trans/Aktivistin Diva Maguy brachte das Open Air Theater in der Nacht zum brodeln.

Das interdisziplinäre Theaterkollektiv MËHRTYRER erforschte in seiner Festivalperformance Artfake alte und neue Mythen, Medien und andere Oberflächen.

Im Rahmen der der literarischen Vortragsperformance Die Anderen überlegt Schriftstellerin und Wissenschaftlerin Veronika Reichl mit Hilfe von Geschichten und theoretischen Überlegungen, wie die Beziehungen zwischen der Gruppe und dem Einzelnen strukturiert sind und vor allem, wie wir selbst diese Beziehungen wahrnehmen. Mit mehr Humor ging es beim Schriftsteller und Poetry Slamer Andy Strauss zu, er laß in den Nachmittagsstunden leidenschaftliche Zeilen aus seinem neuesten Buch.

Das Zirkuszelt stand ganz im Zeichen des ARTEFEX Kollektivs. Mit ihrer Show Neuer Circus in neuem Licht — eine Kombination aus surealer Akrobatik und moderner Zirkusperformance — raubten sie den Zuschauer_innen jeden Abend aufs Neue den Atem.

Diskurse und Vorträge 

Das Artlake Festival soll anregen – zum Mitdenken und Mitreden. Die zahlreichen Vorträge, Diskussionsrunden und Lesungen behandelten politische, soziale sowie philosophische Fragen und luden zur kritischen Auseinandersetzung ein. Die Clubkultur als Innovation für Mode und Design war neben Populism vs. the Planet, 27 Years Capitalism – Lesson Learnt und Minimalismus – Die Welt ist in mir, nur eines von vielen spannenden Themen auf dem Artlake Festival 2017.

Workshops

Das Berliner Künstlerkollektiv Drink & Draw, welches sein Lager im Camp Carlowitz aufgeschlagen hat, lud dazu ein, sein Können bei professionellen Akt- und Portraitzeichenkursen unter Beweis zu stellen und beim Percussion Workshop im Zauberwald konnte man rhythmische Inspiration finden. Mit ME TA WHACKA fand man gemeinsam in einem verrückten Performance Workshop zur Erleuchtung und beim Bondage konnte man sich selbst und einander näher kommen.

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Auch handwerklich gab es einiges zu tun. Der perfekte Schnappschuss wurde in der mobilen Dunkelkammer direkt selbst entwickelt und an der Batik Station, sowie beim Siebdruck war die Devise: Aus alt mach Neu! Denn auch Nachhaltigkeit und die Umwelt haben auf dem Artlake eine große Bedeutung.

Wer zwischen Open Air Kino, Partnermassage oder Creative Writing im Zauberwald immer noch Zeit und Energie fand, traf sich mit alten und neuen Freund_innen am Strand zum Stand Up Paddeling oder Beachvolleyball, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.

Consciousness & Mindfulness

Neben vielen durchtanzten Stunden auf liebevoll gestalteten Floors gab es auf dem Artlake Festival auch Orte, an denen man zur Ruhe kommen und zu sich zu finden konnte. alisapotuondoDas Berliner Soneiro Collective bot mit seinen vielseitigen Workshops und Performances von Chakra Meditation, Klangyoga, Soundhealing bis hin zur  Guided Music Meditation  viele Möglichkeiten das Bewusstsein gegenüber sich und seiner Umwelt zu stärken.

Musik

Auch musikalisch haben wir euch 2017 wieder ein breites Spektrum an Genres geboten. Der Strand mit Collosseum, die wohl schönste Kulisse für durchtanzte Tage und Nächte, war an diesem Wochenende Heimat von hochkarätigen DJs wie Bebetta, K-Paul, Hrrsn, Frag Maddin oder Guido Minisky. Auch auf dem Endlos Floor ließen wir es wie jedes Jahr krachen. Zwischen Martin Saupe, Tony Casanova und Marvin Hey tummelten sich weitere namhafte Djs wie Stefan Biniak, Baal und Faray und auf keinen Fall verpassen durfte man Seth Schwarz, der uns mit seiner Violine in eine andere Dimension spielte. Wer einen kleinen Perspektivenwechsel benötigte, den zog es Richtung Wasser. Schwebend mit Blick über den Strand bot The High Carpet Diversität aus House, 90s, gepflegtem Hip Hop und mit gekonnten Variationen aus Funk und Techno startete hier wohl auch die eine oder andere Afterhour.

2017_08_20_blackwork__pdb5491Das Artlake Festival machen aber auch die vielen Live Bands und Musiker aus, die bei ihren Auftritten mit einer Mischung aus Pop, Rock, Jazz und Elektro-Pop Abwechslung zur elektronischen Musik boten. Im Pappel Palast gaben uns unter anderem Woman und Gold Lions die Ehre und mit Von Wegen Lisbeth konnten wir eine gestandene Indie-Pop Größe auf die Bühne holen. Besonders in Erinnerung blieben auch Hundreds, bei deren Auftritt uns Sängerin Eva Milner mit ihrer warmen Stimme und einprägenden Beats in den Bann zog. Unser Artlake-Herz schlägt aber auch für die kleinen Singer und Songwriter die im gemütlichen Klangnest umringt von schattigen Bäumen ihre sanften Klänge verbreiteten.

Danke

Wir sind stolz, euch ein künstlerisch als auch musikalisch so vielfältiges Festival bieten zu können und freuen uns umso mehr, dass das Artlake auf so viel Gegenliebe stößt. Dennoch: Das Festival steckt mit seinen drei Jahren noch in den Kinderschuhen und dank eurer konstruktiven Kritik ist uns bewusst, dass es noch einiges zu tun gibt. Gerne nehmen wir Anregungen entgegen und arbeiten daran, uns in jeglicher Hinsicht weiter zu entwickeln, um das Artlake Festival für euch zu einem noch schöneren Erlebnis zu machen.

Doch was wäre ein Festival ohne seine Besucher? Deshalb wollen wir vor allem euch danken, dass ihr das Artlake Festival mit eurer Interaktion, Freude und Kreativität so einzigartig macht. Seid bereit für ein atemberaubendes Artlake Festival 2018!